Dokumentarfilm | 2008 | MDR [de] | Doku | Deutschland

Hauptdaten

RegieGünther Heinzel
DrehbuchAchim Engelberg
ProduktionNFP

    Kurzinhalt

    Zwischen 1920 und 1955 durchliefen über 80 Millionen Menschen das sowjetische Arbeitslagersystem. Rund 20 Millionen sind in den Lagern gestorben - der Großteil starb direkt oder indirekt eines gewaltsamen Todes.

    "Du konntest für ein oder zwei Tage in den Karzer kommen. Ich war vierzehn Tage drin. Das war ein dunkler, eiskalter Raum, 300 Gramm Brot und eine Tasse Wasser. Später gab's alten, verschimmelten Fisch in der Suppe, aber den konnte ich einfach nicht essen." (Eleonore Leibbrandt, 85)

    "Ich war unterernährt, wog 48 Kilo - wie ein Kind. Der Soldat trat mir in den Rücken, und ich schurrte den Korridor entlang bis ans Wagenende und stieß mit dem Kopf an die Wand. Dort blieb ich liegen und weinte vor hilfloser, ohnmächtiger Wut der Erniedrigung. Ich war ja schon so gut wie tot, nur noch Haut und Knochen. Aber dann haben mich Wachsoldaten in die Krankenstation geschickt. Da hat mich eine Krankenschwester gesund gepflegt. Das werde ich ihr nie vergessen. Sie heißt Eleonora Leibbrandt." (Arthur Hörmann, 85)

    Der Film stellt einige der wenigen Überlebenden in den Mittelpunkt und lässt sie ihre ganz individuellen Überlebensgeschichten erzählen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie alle aus einem einzigen Sowjetlager kommen: dem KARlag aus Kasachstan. Dessen Zweck bestand vorrangig in der Versorgung der Sowjetunion mit landwirtschaftlichen Gütern. Im Laufe seiner Existenz von 1930 bis 1959 wuchs das KARlag zum größten sowjetischen Lagerkomplex - vergleichbar mit der Größe Belgiens. Eingerahmt durch die kasachische Hungersteppe war Flucht so gut wie unmöglich, und viele einzelne Lagerpunkte wurden - auch mangels Geld - nicht mehr umzäunt. Basierend auf der detaillierten Studie der Historiker Wladislaw Hedeler und Meinhard Stark über die Geschichte des KARlag rekonstruiert dieser Film Aufbau und Funktion des Lagers. Demgegenüber stehen die bewegenden Erinnerungen von Zeitzeugen aus Deutschland und Kasachstan über Alltag und Überleben im Lager.

    Da sich mittlerweile alle ehemaligen Häftlinge im hohen Alter befinden, ist dieser Film eine der letzten Gelegenheiten, dem Jahrzehnte langen Leiden unter einer der prägendsten Diktaturen des 20. Jahrhunderts ein Gesicht zu geben.

    Produktionsfirmen

    FirmaAnmerkung
    NFP

    Facilities

    GeschäftsbereichFirmaAnmerkung
    Finanzen, Recht und VersicherungRights Management Entertainment GmbH (RME)Finanzierungsstruktur, Rechtl. Betreuung
    Finanzen, Recht und VersicherungZählart GmbHFilmgeschäftsführung
    Bild/Schnitt, EditingAchtfeld GmbH

    TV-Ausstrahlung

    ArtLandSenderDatum / ZeitAnmerkung
    ErstausstrahlungDeutschlandMDR [de]Mittwoch, 31.12.2008