Berufsbild | Editor/in

Erstellt vom: BFS - Bundesverband Filmschnitt Editor e.V.

Aus- und Forbildung: Editor/in


Schnitt, Montage, Editing...
verschiedene Bezeichnungen für ein und denselben Prozess – den Filmschnitt.

»Der Schnitt ist einer der emotionalsten Momente des Filmemachens.
Es ist ungemein aufregend zu sehen, wie der Film zu atmen beginnt.« (Federico Fellini, 1959)

»Die zugrundeliegende Überlegung... ist, daß die Hauptbeschäftigung des Filmeditors die sein sollte, sich in die Rolle des Publikums zu versetzen. Was werden die Zuschauer in einem bestimmten Moment denken? Worauf werden sie ihren Blick richten? Worüber sollen sie nachdenken? Worüber müssen sie nachdenken? Und natürlich: Was sollen sie fühlen? Wenn man das immer bedenkt (und jeder Zauberer tut es), ist man eine Art Zauberer. Nicht im übernatürlichen Sinne, sondern ein gewöhnlich arbeitender Zauberer.« (Ein Lidschlag, ein Schnitt. Die Kunst der Filmmontage von Walter Scott Murch und Ulrich von Berg, 2009)

Der Schnitt von Film- und Fernsehwerken ist der schöpferische und eigenverantwortliche Tätigkeitsbereich der Editoren in Zusammenarbeit mit der Regie. Den Filmeditoren obliegt die komplexe Aufgabe, inszeniertes oder dokumentarisches Material zu montieren, dabei den dramaturgischen Verlauf der Handlung festzulegen, ihm Rhythmus, Spannung und Fluss zu geben.
Die Anforderung, sich die gestalterischen Vorgaben von filmischer Erzählung, Inszenierung und Kameraführung zu eigen zu machen, erfordert ein großes Maß an Einfühlungsvermögen sowie kritischer Distanz, denn Drehbuch, Regie- und Kamerakonzeption werden erst im Schnitt überprüfbar.



Aufgabenbereich

1. Dramaturgisch-erzählerische Arbeit:

»Schnitt ist Formgebung, Schnitt ist Konstruktion, Bau, Gestaltung, wie zwei Farben oder zwei Musiknoten oder auch zwei Wörter richtig aneinander gereiht etwas Neues ergeben, einen Zusammenklang, so ergeben zwei aneinandergeschnittene Filmeinstellungen mit Hilfe der Brücke, die die Phantasie zwischen ihnen schlägt, etwas Drittes, die Sequenz.« (Georg Stefan Troller »Wir sind alle Menschenfresser«)

Rohschnitt:
Der Filmeditor muss die Wirkung von Szenen beurteilen können, um ihren Ablauf, ihre Dramaturgie und ihren Rhythmus herauszuarbeiten. Bei der ersten Schnittfassung des Filmes werden bereits Entscheidungen bezüglich der Erzählform getroffen, auch wenn sich der Gesamtablauf noch nach den Vorgaben des Drehbuchs richtet.
In den weiteren Schnittphasen kann die Erzählstruktur des Filmes durch Neuordnung von Schnittfolgen, Umschneiden und Kürzungen verändert werden.

»Im Rohschnitt wird die Hauptarbeit der Montage geleistet. Liegt der Rohschnitt vor, weiß man, was der Film will und was gemeint ist. Rohschnitt lässt sich als Festlegung der Auswahl und Abfolge der Einstellungen bestimmen. Die Abfolge entscheidet über Nähe und Distanz von Bildern und Tönen, über ihre Beziehungen und – nicht unwichtig – auch über ihre Nichtbeziehungen.» (Gerhard Schumm in »Schnitt« Nr.36)

Feinschnitt:
Beim Feinschnitt werden dann durch scheinbar marginale Änderungen wie z.B. Verlängerungen, Kürzungen einer Sequenz oder kleinere Umstellungen - Tempo, Rhythmus und Timing des Filmes herausgearbeitet.

»Der Feinschnitt interpretiert das Material, indem er an der jeweiligen Schnittstelle die Trennung betont oder indem er sie überspielt und Bindung und Nähe herausstreicht. Es werden Rhythmik und Timing herausgearbeitet. Was ein Film zu sagen, zu zeigen, zu erzählen hat, erkennt man nach dem Rohschnitt. Doch wie er das sagt, zeigt und erzählt - ob flüssig, widerborstig, verborgen, deutlich, mit Tempo oder gestaut, energiegeladen oder schwach, akzentuiert oder unauffällig, weich oder schroff - das weiß man erst am Ende des Feinschnitts.« (Gerhard Schumm in »Schnitt«; Nr.36)

2. Handwerklich-technischer Verantwortungsbereich:

Die Editoren begleiten zudem den gesamten Endfertigungsprozess und sind in ihrem Bereich verantwortlich für die technisch korrekte Fertigstellung des Filmes zum vereinbarten Termin.

Im Einzelnen sind dies je nach Art des Filmprojektes:

  1. vor dem Dreh Workflow-Besprechungen und während des Drehs Rückmeldungen zu den bereits abgedrehten Einstellungen
  2. Die technische korrekte Verarbeitung verschiedener Bildformate in Absprache mit Kamera, Schnittassistenz, Data Wrangler oder Farbkorrektur
  3. In Abhängigkeit vom Projekt die Bearbeitung der Bildebene durch Effekte
  4. Die O-Tonbearbeitung: technische Überprüfung, O-Tonschnitt
  5. Wenn erforderlich: Festlegung des Sprachsynchronisation
  6. Abhängig vom Projekt die dramaturgische Gestaltung der Tonebene
  7. Anlegen der Musiken und Musikschnitt
  8. Mischvorbereitung oder Vormischung, Begleitung der Mischung