Erstaufnahme II | © SWR / Filmakademie
Dokumentarfilm | 2014-2016 | Gesellschaft | Deutschland

Drehdaten

DrehorteMeßstetten (Schwäbische Alb)

Projektdaten

Lauflänge78

    Kurzinhalt

    Meßstetten im Herbst 2014. Ganz oben auf der Schwäbischen Alb führt Frank Maier über das Gelände der ehemaligen Zollernalb-Kaserne.

    In ein paar Tagen wird er hier seine neue Tätigkeit als Leiter der zweiten Landeserstaufnahmestelle (LEA) Baden-Württembergs aufnehmen. Die bislang einzige LEA in Karlsruhe ist nämlich hoffnungslos überlastet. Er erklärt: "Wir versuchen natürlich, hier das Ambiente so angenehm wie möglich zu machen. Wir haben hier halt ein altes Kasernen-Gelände. Den Kasernen-Flair wird man nicht ganz übertünchen können. Aber wir versuchen, die Menschen willkommen zu heißen und ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten." Mit der LEA soll Platz für rund 1.000 Flüchtlinge geschaffen werden – in einer Kleinstadt, deren Ortskern nur etwa 5.000 Einwohner zählt, in der öffentlicher Nahverkehr kaum existent ist und wo man vom Truppenübungsplatz nebenan regelmäßigen Schießbetrieb hört.

    Die Einwohnerschaft ist gespalten bezüglich der geplanten Unterkunft: Während sich einige um die innere Sicherheit sorgen, engagieren sich andere ehrenamtlich. Die vier Koordinatoren der Ehrenamtlichen sind Rebekka Lachmann, ehemalige Sozialarbeiterin der Bundeswehr, die beiden Ex-Soldaten Fred Sauter und Ralf Greiner und der pensionierte Kripo-Leiter Karlo Gerstenecker. Unter ihrer Leitung werden Kleider gesammelt und sortiert, mit alten Computern ein Internet-Café aufgebaut, Freizeitaktivitäten geplant, ein Sportangebot sowie ein Sprachkurs auf die Beine gestellt und vieles mehr.

    Die Filmemacher Pablo Ben Yakov und Marc Eberhardt begleiteten sechs Monate lang den Transformationsprozess des leer stehenden Militärgeländes hin zur zweiten zentralen Flüchtlingseinrichtung des Landes Baden-Württemberg und legen den erzählerischen Fokus dabei auf die Kleinstadt, die sie beherbergen wird. Wie reagieren die Meßstetter auf die Entscheidung der Landesregierung in Stuttgart, und was bedeutet sie eigentlich für den Ort? Während es Winter wird auf der Schwäbischen Alb, werden die neuen Aufgaben der ehrenamtlichen Helfer zur Routine. Die vom Land beauftragte Betreiberfirma European Homecare (EHC) und ihre Angestellten stehen am Rand der Überforderung. Erste Konflikte zwischen ehrenamtlichen Helfern und der EHC zeichnen sich ab. Fred Sauter fasst seine Frustration zusammen: "Alles Mögliche, was man so arrangiert hat, ist praktisch von uns – und ich kann mich aus dem Stehgreif an nichts erinnern, wo die EHC mal was"
    "investiert hat und den Flüchtlingen anbietet." Leiter Frank Maier sitzt zwischen den Stühlen und versucht zu vermitteln, denn letztendlich steht und fällt das gesamte Projekt mit den Engagement der ehrenamtlichen Helfer und der positiven Stimmung im Ort.

    ERSTAUFNAHME II ist das Portrait einer deutschen Kleinstadt, die vor der womöglich größten Herausforderung ihrer bisherigen Geschichte steht. Meßstetten könnte ein Musterbeispiel deutscher Integrationspolitik und (ehrenamtlicher) Flüchtlingsarbeit werden, aber auch das Potential zum Scheitern liegt in der Luft - und dessen sind sich alle Beteiligten bewusst.

    (Quelle: SWR)
    PreisträgerJahrPreisKategorie 
    Marc Eberhardt2016Filmz MainzDokumentarfilmnominiert
     Pablo Ben Yakov2016Filmz MainzDokumentarfilmnominiert
    Marc Eberhardt2018Human Rights Film Festival Berlin [de]nominiert
     Pablo Ben Yakov2018Human Rights Film Festival Berlin [de]nominiert

    TV-Ausstrahlung

    ArtLandSenderDatum / ZeitAnmerkung
    ErstausstrahlungDeutschlandSWR [de]Mittwoch, 07.12.2016