Dokumentarfilm | 2009 | MDR [de] | Doku | Deutschland

Drehdaten

Drehtage12
DrehorteBerlin, Leipzig, Dresden

Projektdaten

Lauflänge45
SeitenverhältnisTV 16:9 (1 : 1,78)

Kurzinhalt

"Früher gab es auf der Rennbahn Scheibenholz fast jedes Wochenende mehrere Pferderennen mit tausenden Besuchern. Dann haben wir gewettet. Kleines Geld und gefiebert. Wir hatten unseren Spaß. Bockwurst, Bier und Fassbrause für die Kinder", sagt Karin Heyne. "Das war eine Stimmung. Kann man sich heute kaum noch vorstellen." Schon im August 1945 fand in Leipzig das erste offizielle Rennen Nachkriegsdeutschlands statt. Auch in Hoppegarten und Dresden ging es sofort los. Anders als in den Westzonen förderten in der SBZ die sowjetischen Militärkommandanten den Pferderennsport. Von Anfang an durfte gleich wieder gewettet werden.

Der heute 86-jährige Heinrich Schirm war Gehilfe bei einem privaten Buchmacher. Er erinnert sich noch gut an die gespannten Gesichter, wenn im Laden das Telefon klingelte und die Zieleinläufe bekanntgegeben wurden. In den 50er und 60er Jahren sah man häufig Mitglieder der DDR-Führung auf den Rennbahnen. "Ministerpräsident Otto Grotewohl war oft in Hoppegarten", erzählt Artur Boehlke, bis 1989 Toto-Chef beim VEB Vollblutrennbahnen. "Vor allem wegen seiner Frau, die sehr gerne kam und viel gewettet hat." Teure Zuchthengste wurden sogar aus dem Westen importiert, damit deren Nachkommen als DDR-Pferde bei internationalen Rennen erfolgreich sein konnten.

Nach dem Mauerbau orientierte sich die SED-Führung allerdings mehr gen Osten. Kaum etwas sollte noch ohne staatliche Kontrolle geschehen, um die Wettumsätze planmäßig zu steigern. Ein unscheinbares Amateurrennen sorgte 1978 für erheblichen Wirbel auf der Rennbahn, an den Wettschaltern und beim VEB Vollblutrennbahnen. Kurios gewann die Fuchsstute Mia und verhalf mit ihrer hohen Siegquote dem Trainer zu einem hübschen Sümmchen von fast 100.000 Mark. Im Sozialismus ein unerhörter Vorgang, der am Ende das SED-Politbüro beschäftigte und dazu führte, dass alle privaten Buchmacher verstaatlicht wurden. Allerdings tauchten dann immer mehr "schwarze" auf. Sie machten eigene Quoten, zahlten keine Steuern und schreckten auch vor Manipulationen nicht zurück. "Es gab kaum ein Rennen, das nicht gedreht war", behauptet ein ehemaliger Leipziger schwarzer Buchmacher.

Mit Razzien, polizeilichen Ermittlungen und inoffiziellen Stasimitarbeitern versuchte der Staat dem Treiben Einhalt zu geben. "Es gab ja die Berliner und die Leipziger Szene", erinnert sich Stammwetter Peter Gurak. "Wenn es aber hart auf hart kam, haben die vor Gericht zusammengehalten." Die Fernsehdokumentation "Gäule, Galopp und Genossen" erzählt Geschichten aus dem DDR-Alltag jenseits von Propaganda und Parolen. Trotz staatlicher Kontrolle war das Leben auf der Rennbahn mit den Rivalen im Sattel, den Wetten und den Buchmachern irgendwie ein kleiner Kapitalismus mitten im Sozialismus. (Quelle: MDR)
Schauspieler*inRollenameSynchronschauspieler*in / Sprecher*in
 Charlene BeckWetterin Pferderennen [NR]
 Sarah DulgerisWetterin Pferderennen [NR]
 Kris SantaSchwarzer Buchmacher [NR]
Krzysztof StroinskiSchwarzer Buchmacher [NR]
 Martin WaldeWetter Rennbahn [NR]

Produktionsfirmen

FirmaAnmerkung
MDR Mitteldeutscher Rundfunk [de]

TV-Ausstrahlung

ArtLandSenderDatum / ZeitAnmerkung
ErstausstrahlungDeutschlandMDR [de]Sonntag, 27.12.2009