Brief synopsis

    Wie erinnert man sich heute in Russland an den GULAG, das repressive sowjetische Lagersystem, in dem unter Stalin bis zu 18 Millionen Menschen zu Zwangsarbeit genötigt wurden? Während unter Chruschtschow und dann in den 90er Jahren viele Opfer rehabilitiert wurden und eine Vergangenheitsaufarbeitung langsam begann, dreht sich heute das Rad der Geschichte wieder zurück: In von Putin neu eingeführten Geschichtsbüchern wird Stalin wieder ein effektiver Manager genannt und nach Umfragen glauben heute 42% der Russen, die Stalin'schen Repressionen seien notwendig für den Aufbau des Landes gewesen.

    Doch es gibt auch Menschen, die staatliche Verbrechen anprangern, nach der Verantwortung der Gesellschaft fragen und ihre eigenen Wege des Gedenkens an die Opfer suchen. Die Filmemacherin Kerstin Nickig besucht die einzige GULAG-Gedenkstätte Russlands, die sich auf dem Gelände eines authentischen Straflagers für politische Gefangene befindet: Perm-36.

    Die Gedenkstätte für die Geschichte politischer Verfolgung Perm-36 im Permer Gebiet wurde 1994 von ehemaligen politischen Gefangenen und kritischen Historikern aus dem Umfeld der Bürgerrechtsorganisation Memorial gegründet und ist nun zum Zentrum eines heftigen gesellschaftlichen Konfliktes um die richtige Darstellung von Geschichte geworden: Waren die Häftlinge des Lagers Perm-36 zurecht verurteilte Vaterlandsverräter oder Opfer eines Unrechtsregimes? Seit die Gedenkstätte 2015 seinen Gründern aus der Hand genommen und verstaatlicht wurde, wird sie konzeptionell neu ausgerichtet. Nun stehen nicht mehr die Häftlinge, sondern das Strafvollzugssystem als solches im Vordergrund - und Lageraufseher von einst sitzen statt ehemaliger Häftlinge im Expertenrat.

    In Gesprächen mit ehemaligen Lageraufsehern, Neostalinisten, Bürgerrechtsaktivisten und dem ehemaligen Häftling und Mitbegründer der Gedenkstätte Sergej Kovaljov spürt der Film den sehr verschiedenen Sichtweisen auf die Geschichte des GULAG und der politischen Verfolgung in Russland nach. Welche Auswirkungen hat die Perspektive auf die Vergangenheit für das Selbstverständnis der russischen Gesellschaft heute? (ARD)

    Crew

    ActivityNameComment
    director of photographyAndrea Gatzke
    directorKerstin Nickig
    editorKai Minierski
    editorKerstin Nickig
    composerWasja Oblomow
    composerCarlo Suszek
    composerJulia Balabanowa
    producerMichael Truckenbrodt
    unit production managerRainer Baumert
    Sound Recordist (Non Fiction)Sergej Karelin
    sound re-recording mixerHelen Neikes
    commissioning editorRolf Bergmann
    coloristFelix Trolldenier
    researchAnastasia Vinokurova

    TV-broadcast

    TypeCountryStationDate / TimeComment
    First showingGermanyARD [de]Tuesday, 03.05.2016