Brief synopsis

    Der erste eigene „Käfer“, der Bau des Eigenheims, der Ausflug in den Tierpark, der 70. Geburtstag der Großmutter – Ereignisse, die oft nicht nur mit dem Fotoapparat, sondern auch mit der Filmkamera festgehalten wurden. Dann verstaubten die alten Doppel-8- oder Super-8-Filme meist im Keller oder auf dem Dachboden. Die Ruhr Nachrichten haben die Schätze gehoben und mit dem bekannten Dortmunder Regisseur Adolf Winkelmann in eine Dokumentation der Stadtgeschichte verwandelt.

    Nach dem Vorbild eines Projekts in Augsburg hatten die Ruhr Nachrichten als größte Dortmunder Tageszeitung Filmamateure dazu aufgerufen, private Filmschätze jeglichen Formats einzusenden. Zum Dank erhielt jeder Teilnehmer neben den Originalen seine Filme in digitalisierter Form auf DVD. Die Resonanz war überwältigend: Weit mehr als 200 Einsender beteiligten sich, mehr als 1500 Filme kamen zusammen. „Eine fantastische Resonanz, mit der wir nie gerechnet hätten“, sagt Ruhr-Nachrichten-Chefredakteur Hermann Beckfeld. Aneinandergereiht wären die Filme knapp 100 Kilometer lang.
    Über 1500 Filme haben uns die Dortmunder für „So war das“ zur Verfügung gestellt. Das Material musste digitalisiert, gesichtet, katalogisiiert und bearbeitet werden. (Foto: privat)
    So wurde das Filmmaterial bearbeitet

    Nach der Digitalisierung der Filme begann die Arbeit für das Team um den mehrfach preisgekrönten Dortmunder Filmemacher Adolf Winkelmann mit dem Institut für Bewegtbild-Studien der Fachhochschule Dortmund im Dortmunder U. Alle Filme mussten gesichtet, katalogisiert und bearbeitet werden. Ziel war eine DVD-Dokumentation über sechs bewegte Jahrzehnte. Aus mehr als 300 wurden dabei unter Federführung Winkelmanns fünfeinhalb Stunden Film, die nun als fünfteilige DVD-Edition unter dem Titel „So war das – Filmschätze aus Dortmund“ erschienen sind.

    Das Besondere daran: Die Filme zeigen den ganz privaten Blick auf das Leben in Dortmund. „Wir können nicht den Anspruch erfüllen, offizielle Stadtgeschichte zu erzählen. Denn die Leute haben natürlich in erster Line das gefilmt, was ihnen lieb und teuer ist“, erklärt Winkelmann. Das aber vermittelt ein besonders authentisches Bild vom Alltagsleben in der Stadt bis zurück in die frühen 30er Jahre. Dazu tragen auch die Interviews mit Zeitzeugen bei, die die Bilder erläutern und ergänzen.

    Fast schon beklemmend wirkt es, mitzuerleben, wie sich der Nationalsozialismus wie ein Schatten über das Leben in der Stadt legt. Wo anfangs unbeschwert Sportfeste gefeiert werden, marschieren wenig später Jungen und Mädchen in Reih und Glied. Besonders eindrucksvoll sind die Aufnahmen aus den letzten Tagen des Bombenkrieges und dem Leben in Trümmern.

    Die 50er-Jahre zeigen den Wiederaufbau, die vermeintlich heile Welt der Familie, in die sich viele nach den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren flüchten. Mit einem Augenzwinkern wird an fröhliche Feste, den Waschtag fürs Auto, Ausflüge ins Grüne oder auch die Entwicklung der Kameratechnik erinnert. Ein Muss für jeden Hobbyfilmer ist in dieser Zeit offenbar die Eröffnung der Bundesgartenschau 1959, die in der Dokumentation noch einmal mitzuerleben ist. Einige Familien kann der Zuschauer über Jahrzehnte begleiten – und etwa den Werdegang der ersten Drillinge verfolgen, die nach dem Krieg in Dortmund geboren wurden. „Die Filme wurden ja gewissermaßen für das eigene Wohnzimmer gemacht. Deshalb ist man ganz nah dran an der Wirklichkeit der Familien“, erklärt Adolf Winkelmann.

    Neben dem Privaten ist der Arbeitsalltag bei Hoesch, im Bergbau, auf dem Großmarkt oder bei den Brauereien ebenso dokumentiert wie der Wandel des Stadtbildes im Laufe der Jahrzehnte. Nicht fehlen darf natürlich der Triumphzug des BVB nach dem Gewinn des Europapokals 1966 – kommentiert von Alt-Borusse Aki Schmidt. Krise und Strukturwandel führen in die grellbunten 70er und 80er. Und zur Erkenntnis des damaligen Oberbürgermeisters Günter Samtlebe: „Die Leute hier sind keine Jammerlappen, sie sind sehr standfest. Und sie haben vor allen Dingen einen Glauben an ihre Heimat.“

    „Alles in allem sind die Amateurfilme wie auch die Dokumentation eine Liebeserklärung an die Heimat Dortmund“, bilanziert Ruhr-Nachrichten-Chefredakteur Hermann Beckfeld. „Wir sind stolz darauf, dass wir diese Filmschätze für die Nachwelt erhalten konnten.“

    (http://www.filmschaetze-dortmund.de/dvdedition.html)

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    Director's DepartmentdirectorAdolf Winkelmann
    Editingassistant editor Maren Heyn
    Editingassistant editorBenjamin Lenz

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    Winkelmann Filmproduktion GmbH