Gysi und ich | © Maik Bialk / SWR

Gysi und ich

  • Die Rückkehr - Gregor Gysi (Arbeitstitel)
Dokumentarfilm | 2006 | Politik, Porträt | Deutschland

Drehdaten

Drehbeginn01.01.2006
Drehende05.07.2006
Drehortedeutschlandweit

Projektdaten

Lauflänge60

    Kurzinhalt

    Im Sommer 2005 kehrt Gregor Gysi nach einer längeren, auch gesundheitlich bedingten, Auszeit in die Politik zurück. Wenig später wird er zusammen mit Oskar Lafontaine an die Spitze der neuen Bundestagsfraktion »Die Linke« gewählt. Im Berliner Wahlkreis Treptow-Köpenick erringt er ein Direktmandat. Seine Rückkehr in die Politik löst große Hoffnungen aus. Für seine Anhänger ist Gregor Gysi noch immer ein Star. In seiner Partei gilt er als Garant für Wahlerfolge.

    Auch der junge Filmemacher Maik Bialk ist von Gysis Ausstrahlung fasziniert: »Die Linke hat wieder eine Stimme und ein Gesicht. Endlich einer, der für soziale Gerechtigkeit kämpft – mit Argumenten, mit Witz und mit Charisma.« Er beschließt, Gregor Gysi in seinem politischen Alltag mit der Kamera zu beobachten. Ihn treibt die Frage, ob es heute noch Helden gibt, insbesondere in der Politik: »Klar kenne ich die Bedenken gegen den Begriff »Held« und vielleicht mache ich auch deshalb diesen Film.«

    Der Film beginnt kurz nach Gysis Rückkehr in den Bundestag. Sechs Monate lang begleitet ihn das Filmteam in seinem beruflichen Alltag. Dabei konzentriert sich der Film auf die alltäglichen Termine zwischen dem Machtzentrum Berlin und der politischen Provinz. Maik Bialk verzichtet bewusst sowohl auf Interviews mit dem wortgewandten Politiker als auch mit seinen Parteifreunden und politischen Gegnern. Er versieht die genauen filmischen Beobachtungen mit persönlichen Kommentaren, ohne jedoch seine kritische Distanz zu verlieren.

    Maik Bialk: »Das Spiel mit den Worten beherrscht er (Gysi) perfekt. Doch ich will keine neue Aufführung von ihm sehen. Aus dieser sicheren Rolle muss ich ihn herauslocken. Er rechnet mit Interviews und ich mache das Gegenteil. Ich frage nichts, ich beobachte meinen Helden nur.«

    Der politische Alltag erweist sich schnell als ernüchternd. Gregor Gysis Arbeitstage sind streng durchorganisiert, Freiräume gibt es kaum. Pflichtbewusst und engagiert erledigt Gysi die Aufgaben, die ihm sein Terminkalender vorgibt. Professionell bemüht er sich, Müdigkeit und Stress in der Öffentlichkeit nicht zu zeigen. Maik Bialk: »Später, bei ausgeschalteter Kamera erzählt er mir, wie es ihm wirklich geht. Wir sitzen auf einem Berg von Kissen in einem orientalischen Café in Neustadt an der Weinstraße. Er sagt, er habe keine Lust auf die immer gleichen Veranstaltungen irgendwo in der Provinz – und dann redet er über das Leben mit Bodyguards, aufdringlichen Fans und den Verlust seines Privatlebens. Mein Held ist unglücklich. Das sagt er mir, weil er mich nicht anlügen will, aber auch weil er genau weiß, dass die Kamera jetzt nicht läuft.«

    »Gysi und ich« ist ein persönliches Porträt des Politikers und Menschen Gregor Gysi. Der Film zeigt ihn mit seinen Stärken und Schwächen. »Gysi und ich« ist gleichzeitig ein Film über den heutigen Politikbetrieb und ein aufschlussreicher und humorvoller Blick auf das schwierige Wechselspiel von Medien und Politik, das auch der Autor selbst zu spüren bekommt.

    (Quelle: SWR)

    TV-Ausstrahlung

    ArtLandSenderDatum / ZeitAnmerkung
    ErstausstrahlungDeutschlandSWR [de]Montag, 05.11.2007