Kurzinhalt

    In der Nähe von Frankfurt am Main entdeckten Wissenschaftler im Schatten des Glaubergs eine einzigartige Anlage mit Prozessionswegen und Kalendarium.
    Etwa 40 Kilometer nordöstlich von Frankfurt am Main ragt im Schatten des Glaubergs ein gewaltiger Erdhügel empor. Das vor knapp 2.500 Jahren geschaffene Monument wurde als Grabmal für einen mächtigen Keltenherrscher errichtet, den seine Untertanen wie einen Gott verehrten. Vom Ruhm des Glauberg-Fürsten zeugt nicht nur sein wertvoller Goldschmuck, sondern auch die lebensgroße Sandsteinstatue, die Archäologen 1996 nahe der Gruft entdeckten.
    Ein seltsamer Knochenfund unweit der herrschaftlichen Anlage alarmiert im Jahr 2005 die Archäologen eines Sonderprojekts. Aus der lehmigen Erde bergen sie Skelette, Dutzende Schädel und unzählige Knochen. Die menschlichen Überreste liegen zwischen Scherben, Holzkohleresten und Metallgegenständen. Die Experten entdecken an den Skeletten deutliche Zeichen tödlicher Gewalt. Monatelang untersuchen Archäologen und Pathologen die Knochen im histologischen Labor und unter dem Elektronenraster-Mikroskop. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass weder Seuchen noch kriegerische Auseinandersetzungen den Fund erklären können.
    Die Spurensuche führt schließlich nach Frankreich ins Kriegerheiligtum von Ribemont-sur-Ancre und an die Quelle der Seine. Dort wurden einst der Flussgöttin Sequana Opfergaben gebracht. Zu einem weiteren wichtigen Schlüssel wird die Sandsteinfigur des Keltenherrschers. Sie weist ihn nicht nur als Regenten, sondern auch als Druiden aus. Damit ist er auch verantwortlich für die Darbringung von Opfern an die Götter. Dass die Kelten darunter auch Menschenopfer verstanden, beweisen Aufzeichnungen des römischen Imperators Julius Cäsar und archäologische Fakten aus Frankreich.
    In der Zusammenschau werfen die Forschungsergebnisse ein neues Licht auf den Fürstensitz in Hessen.
    Sie legen den Schluss nahe, dass der Glauberg nicht nur zu den größten Kultstätten der Kelten zählte, sondern auch Schauplatz blutiger Zeremonien war.