Dokumentarfilm | 2005 | arte | Deutschland

    Kurzinhalt

    Niemand weiß, wer der Erste war, der sich vor über 100 Jahren auf den Weg über die Alpen nach Norden machte, um dort sein Glück mit eiskalten Köstlichkeiten zu versuchen. Sicher ist, dass es einer aus dem Zoldo- oder dem Cadoretal war, dem bald andere folgten. Mit ihren zweirädrigen Karren schickten sie sich an, halb Europa, besonders aber Deutschland zu erobern. Und bekannt sind auch die Gründe, die schließlich zu einer riesigen Wanderbewegung ganzer Generationen führten.

    Den traditionellen Weg nach Venedig kannte man gut. Aber die eigentliche Erfolgsstory begann jenseits der Alpen in den Kurbädern, den Großstädten, an den Badestränden Westeuropas, wo sich die „große Welt“ traf. Berlin, Flensburg, Dresden, Riga, Sankt Petersburg – überall tauchten die schnauzbärtigen Männer mit ihren zweirädrigen Karren auf, unter deren blank polierten Messinghauben sich Vanille-, Erbeer- und Schokoladeneis verbarg. (Trotz neuer Geschmacksrichtungen wie „Grüner Tee“ und „Zimt“ sind diese Klassiker in Deutschland noch immer die beliebtesten Sorten).

    Das Wanderleben hatte seinen Preis. Die Frauen blieben mit den Kindern in Italien zurück. Die Familien waren während der Sommermonate getrennt, Frauen blieben ohne Nachricht und Geld zurück, einige Familien wurden immer reicher, andere waren die Verlierer.

    Doch wer es „geschafft“ hatte im fernen Deutschland, wurde in der Heimat beneidet: Fuhren die „Eismänner“ nicht größere Autos – mit deutschen Nummernschildern? Sie bauten schöne, neue Häuser. Ihre Frauen trugen Pelzmäntel....

    Doch was hundert Jahre lang funktionierte, steht heute auf dem Prüfstand. Immer weniger Familien sind bereit, ein Wanderleben in zwei Welten zu führen – mit all den persönlichen Konsequenzen. Zwar fühlen sie sich stolz als „die ersten Europäer“. Aber eine Trennung der Familien möchte man nicht mehr ohne Weiteres hinnehmen. Manche haben ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland, schicken ihre Kinder hier zur Schule – aber nach Möglichkeit auf eine bilinguale: Die italienische Identität und Sprache sollen nicht verloren gehen. Andere möchten in Italien leben – und suchen andere Berufsfelder als das Eis.

    TV-Ausstrahlung

    ArtLandSenderDatum / ZeitAnmerkung
    ErstausstrahlungDeutschlandarteSonntag, 21.08.2005