© ZDF / Oliver Halmburger
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Deutschlands große Clans - Die Otto-Versand-Story

  • Deutschlands große Clans - Die Otto Story (Arbeitstitel)
Doku (Reihe) | 2017 | ZDF [de] | Deutschland

Kurzinhalt

Mit 2,5 Milliarden Euro Umsatz, 4.500 Mitarbeitern und dem konzerneigenen Paketzusteller "Hermes" gilt OTTO hierzulande als das größte Versand-Haus. Die Ottos, denen der übergeordnete Konzern "Otto Group" mit 50.000 Mitarbeitern und 12,5 Milliarden Euro Umsatz gehört, zählen mit einem geschätzten Vermögen von rund 10 Milliarden Euro zu den reichsten Familien Deutschlands. Die Geschichte des Unternehmens, die Autor Florian Huber aus verschiedenen Blickwinkeln spiegelt, ist geprägt von erstaunlichen Erfolgen, aber auch von empfindlichen Fehlschlägen.
Alles begann mit Schuhen, die Werner Otto nach dem Zweiten Weltkrieg aus Holz, billigem Leder und dickem Garn fertigen ließ. Mit einem schrottreifen DKW fuhr der Unternehmer, geboren 1909, quer durch Norddeutschland, um Kunden von seinen "Zweischnallenschuhen" zu überzeugen. Der Erfolg blieb aus, nur wenige Monate später sah sich Otto gezwungen, den Betrieb aufzulösen. Mehreren Dutzend Angestellten wurde gekündigt. Als Kriegsheimkehrer, der immer noch unter einer Kopfverletzung zu leiden hatte, stand Werner Otto mit Anfang 40 vor dem Nichts. Schon mehrfach hatte er Tiefschläge hinnehmen müssen. Werners Vater Wilhelm verlor in der Wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre als Kaufmann sein Geschäft und musste sich fortan als Vertreter durchschlagen. Der 20-jährige Werner, der im Familienbetrieb keine Perspektive mehr sah, trat damals der NSDAP bei. "Ich war ein Nationalbolschewik", gab Werner Otto später zu verstehen. Er tendierte zum linken Flügel um Gregor Strasser, der den internen Machtkampf gegen Hitler verlor. 1936 kam Otto ins Zuchthaus Plötzensee, weil er Flugblätter gegen Hitler geschmuggelt hatte. Zwei Romane, die er als Autodidakt verfasst hatte, wurden bei einer Razzia konfisziert und sind bis heute verschollen. Mit der Haft waren seine "dichterischen Ambitionen" jedenfalls verflogen. Werner Otto zog mit seiner neu gegründeten Familie 1939 in das westpreußische Kulm (heute Chelmno) und eröffnete ein Schuhgeschäft.
Nach Kriegsende und Flucht aus dem Osten versuchte er in Norddeutschland wieder Fuß zu fassen. Auf die Pleite mit den "Zweischnallenschuhen" folgte 1949 eine neue Geschäftsidee: statt Schuhe herstellen, Schuhe durch Vertrieb vermarkten mit zunächst handgefertigtem Katalog. Als Otto seine Produktpalette um Haushaltswaren und Kleidung erweiterte, stellte sich der Erfolg bald ein. Aus 300 handgefertigten Katalogexemplaren wurden später Millionen. Das Warenangebot wuchs von Mal zu Mal, geriet auch zu einer Art Leistungsschau des wirtschaftlichen Aufschwungs. Versand auf Rechnung – das kam in den Nachkriegsjahren gut an. Nicht nur bei Otto, auch bei Baur, Quelle oder Neckermann. Versand-Kataloge erschienen wie eine Verheißung, teilhaben zu können am zunehmenden Wohlstand, weckten Sehnsüchte und setzten Ziele, für die es sich zu sparen lohnte.
Doch hatte der Erfolg auch einen Preis: geregelte Dienstzeiten gab es beim "Otto-Versand Hamburg" vor allem in der Pionierzeit selten. Unternehmensgründer Otto galt als hart und streng – vor allem gegenüber seinem Führungspersonal.12 Werbeleiter verschliss er in nur sieben Jahren. Kaum einer konnte es ihm Recht machen. Auch das Privatleben litt unter dem enormen Erfolgsdruck: zwei Ehen scheiterten, die dritte erst hielt den Belastungen stand.
Nach einem Zusammenbruch zog sich Werner Otto 1966 aus dem operativen Geschäft zurück, überließ die Leitung einem familienexternen Manager. Erst in den 70er Jahren stieg mit seinem ältesten Sohn Michael wieder ein "echter" Otto in die Firma ein. Wie sein Vater bewies er über die Jahrzehnte ein Gespür für Zeitgeist, setzte auf Umweltschutz, Nachhaltigkeit und früh auch auf den Onlinehandel. Während Quelle, Baur und Neckermann ihre Selbständigkeit verloren, gilt "Otto" als Überlebender der Versandhausära, der den Sprung ins Internetzeitalter schaffte, bei den Konkurrenten sogar einstieg oder sie gleich aufkaufte. Die Zukunft des Unternehmens scheint in der Familie zu bleiben: Michael Ottos Sohn Benjamin ist Mitglied des Aufsichtsrats der Otto Group. Alexander, der jüngste Sohn von Werner Otto, hat das Geschäft mit Einkaufszentren übernommen, das der Vater ebenfalls aufbaute, und Sohn Frank wurde Verleger, Mäzen, Radio-Gründer, Fernsehunternehmer und Society-Mann. Seine Beziehung zu einem 40 Jahre jüngerem Model sorgt derzeit für Schlagzeilen. Wie geht es weiter mit der "Otto-Story"? Kann sich das Familienunternehmen auch in dritter Generation behaupten?
In der Dokumentation von Florian Huber kommen erstmals Clanmitglieder aus drei Generationen der Ottos zu Wort. (ZDF)
Schauspieler*inRollenameSynchronschauspieler*in / Sprecher*inSynchron
Patrick KalupaWerner Otto [HR]
Paul DickhautMichael Otto [HR]
Daniel FrischknechtFabrikmitarbeiter [NR]
Sofie Gross
Marlis Sonnborn [NR]
Theresa Hanich
Tanzpartnerin Werner Otto [NR]
Oliver ScheffelHannes [NR]
Tillbert Strahl
Werbeleiter Thill [NR]

Produktionsfirmen

FirmaAnmerkung
Loopfilm GmbH

TV-Ausstrahlung

ArtLandSenderDatum / ZeitAnmerkung
ErstausstrahlungDeutschlandZDF [de]Dienstag, 10.10.2017