37° Grad - Die Pfandjäger | © ZDF / Nordend
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Doku (Reihe) | 2018 | ZDF [de] | Gesellschaft | Deutschland

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Lauflänge28 Min.

    Kurzinhalt

    In den letzten Jahren hat sich das Flaschensammeln zu einem gesellschaftlichen Phänomen entwickelt: Warum wühlen Menschen für ein paar Cent in Mülleimern? "37°" begleitet drei Pfandjäger.

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    Warum wühlen Menschen für ein paar Cent in Mülleimern, suchen nächtelang nach Pfandflaschen in Bahnhöfen, Containern und Straßengräben, und streifen mit riesigen Taschen voller Leergut durch die Straßen? Es geht um das Pfand, klar, aber manchmal steckt noch mehr dahinter. Wer sind diese Menschen, die aus dem Stadtbild nicht wegzudenken sind, und was ist ihre Motivation?
    Wir begleiten die Flaschensammler Nicole, Bruno und Burkhard über ein halbes Jahr auf ihren Beutezügen.

    Der 79 Jahre alte Burkhard aus Hannover ist ein klassischer 'Lebenskünstler': er hat als Bildhauer gearbeitet, einen Flohmarkt organisiert, war Musiker. Seit fast 12 Jahren - seit er Rente bezieht - sammelt Burkhard nachts am Café Glocksee die Pfandflaschen des Partyvolks. Mit seinem Einkaufswagen steht Burkhard im Hof, erzählt Witze und hält einen kurzen Schnack mit den jungen Leuten. Inzwischen ist er zu einer Art Kultfigur hier geworden: 'Ich brauche ein bisschen Action und Struktur im Alltag: Jetzt ist Flaschen-Sammelzeit, dann Flaschen-Weg-Bring-Zeit, so hat man immer was zu tun. Und so ist man im Leben drin, ich könnte mir nicht vorstellen, im Altersheim am Stadtrand darauf zu warten, dass irgendwas passiert: Wann kommt das Essen? Und dann? Burkhard lebt alleine, seine sozialen Kontakte finden hauptsächlich am Café statt. Letztes Jahr hatte er einen Herzinfarkt, seitdem braucht er mehr Ruhe und ist nicht mehr so fit: 'Das Flaschensammeln bringt mich in Bewegung, raus aus dem Haus. Das tut mir gut, sonst wird man immer schlaffer. Und dann verdiene ich auch noch ein bisschen was dabei.' Aber wie lange schafft Burkhard das noch gesundheitlich?

    Die 57-jährige Nicole stammt aus Düsseldorf. 'Am Anfang hatte ich massive Hemmungen, in einen Mülleimer zu greifen. Aber wenn Sie nicht reingreifen, kriegen Sie nichts, da muss man drüber weg. Manche Leute gucken dann weg, andere gucken mitleidig, aber meistens wird man gar nicht gesehen - weil Armut unsichtbar macht.' Seit 2011 kann die diplomierte Sozialarbeiterin aufgrund eines schweren Rückenleidens keinem normalen Job mehr nachgehen, sie leidet unter chronischen Schmerzen. Und plötzlich blieben der alleinerziehenden Mutter nach Abzug ihrer Fixkosten nur noch knapp 100 Euro im Monat. So begann sie mit dem Pfandsammeln: 'Ich kann nichts anderes machen, aber das ist eine ehrliche Arbeit. Ich trinke nicht, ich nehme keine Drogen, ich prostituiere mich nicht. Wofür sollte ich mich schämen?' Nicole ist es gewohnt zu kämpfen, sich durchzubeißen. Ihr Sohn ist längst ausgezogen, aber Flaschen sammelt Nicole noch immer. Zwei- bis dreimal die Woche, häufiger schafft sie es wegen ihrer Beschwerden nicht, verlässt sie um 4:30 Uhr ihre Wohnung in 'Arbeitskleidung' und sucht die Straßen ab, sie durchwühlt knapp 250 Mülleimer nach Leergut. 'ich will mir einmal im Monat eine Tasse Kaffee leisten, ohne überlegen zu müssen, was ich morgen zu Mittag esse.'

    Und Bruno: An richtig guten Tagen kommt er auf einen Stundensatz von knapp fünf Euro: Acht Cent bringen Glasflaschen, 15 Cent Dosen und kleine PET-Flaschen, und große PET-Flaschen 25 Cent: Edelpfand nennt er das. 'Das ist schon hart; andererseits liegt da bares Geld auf der Straße, und das einfach liegen lassen? Kann ich auch nicht.' Brunos Revier ist die Reeperbahn auf St. Pauli. Er sammelt, wenn die anderen feiern: von Mitternacht bis morgens früh. 'Ich sammel, wenn es am ökonomischsten ist. Jetzt ist der meiste Krach, da kann ich eh nicht schlafen. Dann gehe ich halt spazieren, bleibe agil und verdiene dabei Geld.' Die Konkurrenz unter Pfandsammlern ist groß, nicht selten kommt es zu 'Revierkämpfen' untereinander. Und betrunkene Kiezbesucher gehen die Sammler oft aggressiv an. Bruno versucht, sich raus zu halten: Er ist 72 Jahre alt, 2008 kam nach Hamburg, um hier einen Job zu finden. Trotz seiner drei Ausbildungen fand er nichts, für ihn ein herber Schlag. Mit dem Pfandgeld besserte er seine Haushaltskasse auf. Inzwischen ist er in Rente und lebt von 800 Euro im Monat. 'Von dem Flaschengeld kann ich mir ab und zu ein Highlight gönnen, wie im Restaurant zu essen. Das tut der Seele gut, und danach geht es mir besser.' Die Miete in Hamburg kann er sich nicht mehr leisten, daher ist er umgezogen, ins sächsische Görlitz. Dort will er neu anfangen - auch wieder mit Flaschensammeln.

    Der Film taucht ein in das Flaschensammler-Milieu und begleitet drei Protagonisten ein halbes Jahr lang in ihrem Alltag.

    (Quelle: ZDF)
    Schauspieler*inRollenameSynchronschauspieler*in / Sprecher*inSynchron
    SprecherinSandra Kob

    Produktionsfirmen

    FirmaAnmerkung
    Nordend Film GmbH

    TV-Ausstrahlung

    ArtLandSenderDatum / ZeitAnmerkung
    WiederholungDeutschland3satDienstag, 18.12.2018 um 00:05 Uhr
    ErstausstrahlungDeutschlandZDF [de]Dienstag, 11.12.2018 um 22:15 Uhr